Erlebnisberichte

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Die Tour

Hier berichten wir, was wir unterwegs so alles erleben und wie gut wir auf unserer Strecke vorwärts kommen. Alles andere erfahrt ihr auf unserer Webseite http://www.outbackcrosskiter.de

Ins rote Herz Australiens

ErlebnisberichtePosted by Andi und Juli Mon, November 16, 2015 18:43
Tag 13 (2): Nachdem wir uns gestärkt und guter Dinge am späten Nachmittag in Erldunda wieder auf den Weg machten, stand für uns die erste Abzweigung nach einer schier endlosen Zeit auf dem Programm. Vom Stuart Highway bogen wir nach links ab auf den Lasseter Highway, der uns geradewegs zum Uluru führen sollte. So eine Richtungsänderung kann schon mal Wunder bewirken. Trotz der harten Stunden, die wir morgens auf dem Rad verbracht hatten, konnten wir noch zügig 34 Kilometer zurücklegen und beendeten den Tag dennoch früh genug, um unser erstes Feuer im Outback zu machen. Es war zwar definitiv zu warm dafür, aber es war eine spaßige Angelegenheit und so ließen wir den Abend entspannt ausklingen. Nachdem wir uns mit Reis und Honey-Mustard-Soße vollgestopft hatten, schliefen auch ziemlich bald ein.

Tag 14: Auch am nächsten Morgen waren Andi und ich noch ziemlich erschöpft, sodass wir uns die ersten 23 km bis zum nächsten Roadhouse quälten und uns dort, mit einem leicht schlechten Gewissen, jeder einen Apfel für 2 Dollar erlaubten. Bei der Weiterfahrt hatten wir dann Probleme mit dem hinteren Sitz. Wir entschlossen uns dazu, dessen Position ganz zu verändern und siehe da: in der Folge wurden auch die Schmerzen im Hintern erträglicher. Wir waren uns sofort beide einig, dass das kein Zufall sein konnte. Beim Mittagessen unterhielten wir uns dann wieder darüber, wie wir jetzt am liebsten das Menü komplettieren würden. Ganz oben im Ranking standen zwei kühle Biere und ein Eis. Während wir noch kurz im Schatten dösten und uns auf die Weiterfahrt vorbereiteten, fuhr ein Wohnmobil vorbei, kam zurück und der Fahrer erklärte uns, er habe noch ein paar "ice blocks" übrig, ob wir die haben wollten. Ich wusste zwar nicht, was wir mit Eiswürfeln hätten anfangen sollen, aber wenn man in der Wüste etwas geschenkt bekommt, sagt man selten nein. Als er kurz darauf mit vier Milcheis in der Hand erschien, konnten wir unser Glück kaum fassen. An der Böschung sitzend und die Eis verdrückend kamen wir überein: seit Erldunda steht unsere Tour unter einem anderen Stern! Den Rest des Tages fuhr es sich folgerichtig auch so simpel wie selten und am Abend entdeckten wir eine wunderschöne, rote Sanddüne, auf der wir unser Lager aufschlugen. Mit einem direkt angrenzenden ausgetrockneten See und dem Mount Conner im Hintergrund war das ein einmaliges Panorama!



Tag 15: Die Morgenstunden wurden begleitet von einem unglaublich roten Sonnenaufgang. Nachdem wir uns endlich auf den Weg begeben hatten, wurden wir auch alsbald schon angesprochen von ein paar vorbeifahrenden Jugendlichen. Die Überraschung war recht groß, als es von der Seite auf einmal hieß: "Seid ihr aus Fulda?" Wir unterhielten uns eine Weile und es klärte sich bald auf, dass die Verwandten in der Heimat über die Lokalpresse von uns erfahren hatten und den abenteuerlichen Nachwuchs darauf angesetzt hatte, nach uns Ausschau zu halten. Als wir bald darauf im Roadhouse Curtin Springs ankamen, machten wir wohl einen so bemitleidenswerten Eindruck, dass uns zwei deutsche Touristen tatsächlich ein soeben erworbenes kühles Bier anboten. Wir nahmen dankend an und freuten uns über unser unverschämtes Glück. Gegen Abend mussten wir allerdings feststellen, dass wir sämtliche Vorräte aufgebraucht hatten und es Zeit wurde, dass wir wieder einkaufen konnten.

Tag 16: Unser erklärtes Ziel für diesen Tag war es, so schnell wie möglich Yulara zu erreichen. Nachdem wir die letzten Vorräte aufgebraucht hatten und jeder mit einer halben Schale Müsli und einer Hand voll Rosinen reichlich hungrig aufs Rad stieg, war die Motivation dafür besonders hoch. Wir demmelten was das Zeug hielt und malten uns in der Zwischenzeit bereits aus, was wir uns bei unserer Ankunft im Ayers Rock Resort alles kaufen wollten. Als wir dann so gegen halb elf endlich auftrafen und sogleich den Weg zum Supermarkt einschlugen, reichte unsere Phantasie gerade noch so für Weißbrot mit Aufstrich, Obst, einer Limonade und ein Glas Nutella (original) mit Rosinenbrot - und das war in diesem Moment alles, was wir uns erträumt hatten. Im Schatten der Arkaden genossen wir das herrliche Festmahl und waren rundum zufrieden mit der Tour und uns selbst. Gestärkt und guter Dinge machten wir uns im Anschluss auf den Weg zum örtlichen 'campground', wo wir uns für die nächsten Tage einbuchten. Durchs Internet mit der Heimat endlich wieder verbunden, beschränkten wir uns den Rest des Tages darauf nach Hause zu telefonieren, noch einmal einkaufen zu gehen und zu versuchen, den unterwegs eingeknickten Computer wieder in Gang zu bringen, letzteres leider ohne Erfolg. Zur Feier des Tages gab es Burger und eine Nacht auf richtigem Gras (kein Spinifex) unter dem imposanten Sternenhimmel.

Tag 17: Auf unserem Plan stand der Besuch des Uluru (Ayers Rock). Nach einem ausgiebigen Frühstück (wie immer Müsli, aber mit frischem Obst), machten wir uns mit dem Rad auf den Weg die letzten 20 Kilometer bis zur roten Mitte Australiens zurück zu legen. Jeder von uns zahlte $25 Eintritt, doch die lohnten sich in jedem Fall. Bereits von weitem ragt der gewaltige Monolith mitten in der flachen Landschaft empor. Kommt man näher heran, so wird einem zum ersten Mal klar, dass das kein vewöhnlicher Berg ist, sondern ein einziger Stein. Wir entschieden uns dafür, die Umrundung mit dem Fahrrad zu machen und wollten unterwegs ein bisschen Kiten und Aufnahmen machen. Als wir eine geeignete Stelle gefunden hatten und alles aufgebaut hatten, stellte sich sogar ein brauchbares Lüftchen ein, mit dem wir die ersten Meter zurücklegen konnten. Kurz darauf kam uns allerdings ein Auto entgegen, hupenderweise und mit Warnblinklicht. Die darin befindlichen Ranger der Nationalpark machten uns schnell darauf aufmerksam, dass das, was wir da machten, überhaupt nicht gehe und wir, wenn wir nicht sofort einpacken würden, in "big troubles" gerieten. Also vollendeten wir unsere Umrundung ohne Windkraft, froh keine schlimmeren Bestrafungen davongetragen zu haben. Die Temperaturen näherten sich gegen Mittag so langsam den hohen Dreißigern und wir kochten uns unsere Nudeln neben dem örtlichen Museum. Nachdem wir uns ein wenig über die Geschichte der Ureinwohner Australiens informiert hatten, fuhren wir wieder zurück ins Resort. Dort stand neben einem ausgiebigen Einkauf und dem Abendessen, bestehend aus Bratwürstchen mit Kräuterbaguette und Salat (man muss eben seine Chancen nutzen), noch ein Interview mit dem Radiosender YouFM an (Sendung vom 14.11.15, 13-17Uhr).



Tag 18: Diesen Tag hatten wir ursprünglich reserviert um das 55 Kilometer Kata-Tjuta-Felsgebilde zu besichtigen, das ließen wir jedoch ausfallen, da die Wanderwege aufgrund der extremen Temperaturen bereits ab 11 Uhr morgens gesperrt wurden. Stattdessen gönnten wir uns einen Ruhetag, an dem wir das Material pflegten, besonders aber unsere doch deutlich gezeichneten Körper. Höhepunkt war sicherlich das kühle Bier, dass wir uns am frühen Nachmittag genehmigten und von dem wir schon so lange geträumt hatten.

Tag 19: Am frühen Morgen um 5.00 Uhr klingelte der Wecker und wir packten unsere Sachen, um mit den ersten Sonnenstrahlen auf der Straße zu sein. Schon bald merkten wir, dass der Höhenflug ein Ende haben würde. Der leichte Rückenwind vom Hinweg bließ uns nun natürlich ins Gesicht. Zudem hatten unsere Beine anscheinend festgestellt, dass sie die Regeneration gerne noch etwas länger genossen hätten. Der Dampf war weg, die Laune auf Sparmodus und der Weg wieder lang. Wir quälten uns durch den Tag und waren froh am Ende wenigstens 83 Kilometer geschafft zu haben. Und weiter hätten uns unsere Beine nicht bringen können. Beide wünschten wir uns irendwie zurück in die Nähe dieses wunderbaren Supermarktes, in dem wir am Vorabend noch so (verhältnismäßig) günstig für die kommende Woche eingekauft hatten. Aber andererseits verhieß der Weg nach vorne ein deutlich verlockenderes Ziel - als vorläufiges Ende stand Alice Springs im Raum. Bei unseren Recherchen in den Tagen zuvor und bei Gesprächen mit den locals hatten wir rausgefunden, dass die Regenzeit im Norden bereits begonnen hatte (normalerweise erst ab Anfang Dezember). Die ersten Straßen seien bereits überflutet und unpassierbar. Andi und ich kamen so zu dem Schluss, dass wir zunächst nach Alice Springs fahren wollten, um dort die Lage mit aktuelleren Informationen erneut beurteilen zu können. Also Reis gekocht und ab ins Bett!

Tag 20: Bereits kurz nach dem Losfahren stand fest, selbst der Vortag war besser. Nach 10 Kilometern versuchten wir ein wenig zu Kiten und waren froh, als sich ein paar Reisende bereit erklärten, uns dabei zu filmen. Doch der Wind wurde unglaublich bockig und nach einigen Metern hob es mich beherzt aus dem Rad und selbiges fuhr mir zu allem Überfluss noch von hinten in die Haxen. Ich tröstete mich zunächst mit dem Gedanken, dass wir wenigstens alles videographisch festgehalten hatten, das wiederum stellte sich bald als Irrtum heraus, da die Kamerafrau wohl eher begeistert war von dem Drachen in der Luft, sowie der Stereoanlage in ihrem Auto. Schlecht gelaunt und leicht angeschlagen strampelten wir noch 30 Kilometer bis zur Mittagspause und wünschten uns beide, wir hätten noch einen Begleiter mitgenommen auf unsere Tour. Ein geplatzter Mantel und zwei weitere gebrochene Speichen machten die Misere perfekt und so half uns beim bereiten des Nachtlagers nurnoch der schwarze Humor, um nicht zu resignieren.



Tag 21: Aufgrund des Tiefs vom Vortag konnte der anbrechende nur besser werden und so sollte es auch sein. Mit dem Gedanken vor Augen am Ende des Tages die Abzweigung richtung Alice Springs zu erreichen, holten wir alles aus uns heraus und trotzten der heißen Luft und der prallen Sonne. Als uns dann noch zwei Franken unterwegs begegneten, mit denen wir uns im Ayers Rock Resort angefreundet hatten, und für brauchbare Aufnahmen sorgten, waren wir wieder versöhnt und genossen sogar unserem Reis zum Mittag. Ohne Zwischenfälle erreichten wir am frühen Nachmittag das Roadhouse Erldunda und erlaubten uns, nachdem wir dafür auf dem Hinweg jeder $4 bezahlt hatten, uns selbstbewusst am Pförtner vorbei geradewegs zu den Duschen zu begeben. Ein herrliches Gefühl, gekrönt mit einem wohlverdienten Eis, bezahlt mit dem eben clever gesparten Geld. Andi kam beim Schlemmen mit einem local ins Gespräch der laut eigener Aussage gerade seinen Bruder abgeholt hatte, welcher versucht hatte, Australien zu Fuß zu durchqueren. Er gab uns zum Abschied noch ein Kühlpack, welches man sich zum Schutz vor einem Sonnenstich in den Nacken legen kann. In Anbetracht der angekündigten herannahenden 45 Grad vielleicht garnicht so verkehrt!

Froh wieder auf unserem altbekannten Highway zu sein, mit der Sonne im Gesicht und ausreichend Proviant im Gepäck, machen wir uns nun auf den Weg die letzten 200 Kilometer bis nach Alice Springs zurückzulegen. Mit Andis Worten: "Endspurt!"







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