Erlebnisberichte

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Die Tour

Hier berichten wir, was wir unterwegs so alles erleben und wie gut wir auf unserer Strecke vorwärts kommen. Alles andere erfahrt ihr auf unserer Webseite http://www.outbackcrosskiter.de

Ankunft in Alice Springs

ErlebnisberichtePosted by Andi und Juli Fri, November 20, 2015 19:26

Tag 22: Am Dienstag starteten wir bereits früh in den Tag. Um 4.30 Uhr (Ortszeit Alice Springs) klingelte unser Wecker und wir bereiteten uns auf die anstehende Strecke bis Alice Springs vor. Nach unserer Rechnung würden wir in etwa zwei einhalb Tagen wieder in einer Kleinstadt sein, und die Motivation war entsprechend groß, so schnell wie möglich anzukommen. Der Gegenwind war wieder stetig und die Landschaft wurde hügeliger. Fragt man einen Autofahrer, so bekommt man stets die Antwort: "Alles flach, keine Berge." Aus Sicht eines Radfahrers lässt sich darüber hingegen trefflich streiten. Wir schafften bis zum Mittag etwa 55 Kilometer, bevor wir uns vor der Hitze in einen Wasserablauftunnel unter der Straße flüchteten. Entweder hatten wir beide einen ordentlichen Sonnenstich, oder aber wir waren einfach froh und glücklich, zu sein wo wir eben waren. Nachdem wir uns ausnahmsweise einmal Reis gekocht hatten, begannen wir uns die Mittagspause mit allerhand Klamauk zu vertreiben. Dazu gehörte unter anderem die Erkundung der heimischen Fauna: Andi entdeckte einige Nester der seltenen australischen Gubbeldi-Gubbeldi und versuchte unter Einsatz seines Lebens, welche vor die Kamera zu bekommen. Später, als wir uns wieder gefasst und auf den Weg begeben hatten, überholte uns eine Familie japanischer Touristen und tat seine Bewunderung kund, indem sie uns zuriefen: "Hey guyys, I seee youuu, sleeping under de treeee! Awesome, your so craaazyyy! Yeah, do what you waaaant!!" Mit gestärktem Selbstbewusstsein ritten wir in Richtung Sonnenuntergang, aber nicht bevor wir uns nicht von einem Schweizer von Sarah Marquis hatten berichten lassen, einer Frau, die unter anderem 18 Monate durch die Wüsten Australiens gewandert ist. Hut ab vor soviel Courage! Als eine Art Abendritual hatten wir dann noch eine weitere gebrochene Speiche auszutauschen, die bis dahin achte.

Tag 23: Da wir ungeschickterweise an einer truck rest area Halt gemacht hatten und dort die ganze Nacht über Motorengeräusche zu hören waren, waren wir morgens noch entsprechend müde. Zudem hatte sich der Schmerz in meinem Knie im Laufe der letzten beiden Tage verfestigt und hinderte mich an der vollen Mitarbeit beim Vorwärtskommen. So musste Andi die Hauptarbeit verrichten, während ich mehr die Rolle als Fahrgast übernahm. Als i-Tüpfelchen sollten sich die Temperaturen im Laufe des Tages dann auch noch auf 43°C hochschrauben und so kämpften wir, dass wir bis zum Nachmittag einen Wassertank mit Unterstand erreichten und mussten uns erstmal erschöpft ein paar Stunden dem Müßiggang hingeben. Kurz bevor wir uns wieder aufraffen konnten, traf dann Stephan, ein Schweizer Triathlet, mit seinem Rennrad ein. Er war auf einer ähnlichen Strecke wie wir unterwegs und mit einer ordentlichen Portion mehr Schwung. Das drückte natürlich zunächst auf unser Gemüt, als er aber gestand, dass er von Hotel zu Hotel reiste und sich anstatt dem Leben in der Wildnis der schnellstmöglichen Querung verschrieben hatte, sahen wir ein, dass wir in unterschiedlichen Disziplinen unterwegs waren. Abends schliefen wir ein letztes Mal unter freiem Himmel, nicht zuletzt, weil wir auf dem harten Untergrund nicht einen Hering in den Boden zu klopfen in der Lage waren. Am Horizont waren bereits die Lichter der Stadt zu sehen und wir waren froh, dass alles so war, wie es war.

Tag 24: Wir hatten uns erlaubt, ausnahmsweise mit dem ersten Licht des Tages aufzustehen und nicht mit dem Weckton des Handys. Unsere Einkäufe waren wieder einmal nahezu perfekt kalkuliert, zu Frühstück gab es die letzten Reste vom Reis, den wir am Vorabend noch vorgekocht hatten. Mit folglich leichtem Gepäck ernteten wir die Früchte der bis dahin erarbeiteten Höhenmeter in einer langen und angenehmen Abfahrt in das vergleichsweise tief gelegene Tal um Alice Springs. Etwas erstaunt rollten wir die letzten 10 Kilometer in die Stadt - soviel Verkehr und so viele Bäume hatten wir schon lange nicht mehr gesehen und wir zur gleichen Zeit erfreut und befremdet, von soviel Lärm und Bewegung umgeben zu sein. Diesmal waren wir in der Lage zunächst unsere Habseligkeiten in einem Hostel unterzubringen, bevor wir den Lange ersehnten Gang zu Coles (riesiger Supermarkt) unternahmen, wo wir uns jeder einen halben Hahn und einen herrlich kühlen Fruchtsaft gönnten.




Unter dem Einfluss einer Hitzewelle (bis zu 45°C) über der Stadt gilt es nun zu entscheiden, wie die Tour weiter gehen soll. Dazu werden wir in den kommenden Tagen Informationen und Angebote einholen und die Entwicklung unserer körperlichen Verfassung beobachten. Aber fest steht für uns beide bereits jetzt: Ist man erstmal im Abenteuer angekommen, lässt es einen kaum noch los. Das Ziel ist in Alice Springs noch nicht erreicht!


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