Erlebnisberichte

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Die Tour

Hier berichten wir, was wir unterwegs so alles erleben und wie gut wir auf unserer Strecke vorwärts kommen. Alles andere erfahrt ihr auf unserer Webseite http://www.outbackcrosskiter.de

Zu zweit gegen den Wind

ErlebnisberichtePosted by Andi und Juli Wed, November 11, 2015 20:57
Dass bei all den Strapazen die Gemüter einer ganz ordentlichen Belastungsprobe unterzogen werden, ist durchaus nachvollziehbar. So kam es dann auch kurz vor Abfahrt um 5:00 Uhr morgens in Coober Pedy zu einer ordentlichen Auseinandersetzung zwischen Andi und mir. Es war allerdings ein reinigendes Gewitter, ganz ähnlich dem Spektakel, welches wir in unserer letzten Nacht unter der Erde miterleben durften, denn abends haben wir uns wieder versöhnt und gingen als Team gestärkt hervor. Und es sollte sich herausstellen, dass wir diese Gemeinschaft noch bitter nötig haben würden.

Tag 8: Das Gewitter der Nacht war noch spürbar, die Luft sehr dick und der Himmel wolkenverhangen. Als wir um kurz nach 6:00 Uhr aufbrachen, kündigte sich bereits der nächste Regen an. Mit Regenjacken und -hosen konnten wir allerdings den aufkommenden Wind zum ersten Mal in Vortrieb umwandeln und dem Namen unseres Projekts gerecht werden. Ein wirklich erleichternder Moment!

Tag 9: Mit dem guten Gefühl vom Vortag ließ es sich vortrefflich einschlafen, leider etwas zu lang. Als wir dann gegen 7:45 Uhr endlich auf der Strecke waren, hatten sich die Querwinde vom Vortag bereits in einen konstanten Gegenwind mit teils heftigen Böen verwandelt. Bereits zur Mittagspause waren wir beide ziemlich erschöpft und frustriert. Auch der Roadtrain, der uns mit einem kompletten Haus beladen unterwegs überholte, konnte da kaum für Erheiterung sorgen. Erst als wir gegen Abend von einem Truck überholt wurden und dieser vor uns anhielt, sollte sich das Blatt wenden. Ein gut genährter, freundlicher Australier stieg aus, ging zur Ladefläche seines Pickup und holte zwei Flaschen aus einer Kühlbox. Er gab sie uns und fragte uns, wann wir zwei zuletzt ein kühles Getränk gehabt hätten. Der Energydrink und vorallem diese unerwartete Herzlichkeit des Mannes sorgten dafür, dass wir die folgenden 30km förmlich flogen, allen Winden zum Trotz.

Tag 10: Der Tag begann relativ mild, der Wind war erträglich und der Himmel meist bewölkt. Bis zum Mittag hatten wir bereits 68km erledigt und Marla, ein Roadhouse mit unserer ersten "Grünanlage" im Outback, erreicht. Hier konnten wir wieder ein paar Vorräte auffüllen, duschen und gönnten uns zur Belohnung mal ein Eis (für 5$ das Stück). Bei dessen Verzehr wurden wir sogleich Zeuge, wie ein altersschwacher Baum seinen größten Ast (ca. 10m lang) nach einer Ureinwohnerin Australiens schmiss und um Haaresbreite verfehlte - was für ein Glück! Am Abend wurde ich dann Zeuge, wie ein Meteorit in der Armosphäre explodierte und verglühte: ein einmaliges Erlebnis, dass ich so schnell nicht vergessen werde!

Tag 11: Obwohl wir morgens bereits ziemlich früh unterwegs waren, entwickelte sich der Tag schnell zu einem der heißesten bisher. Es waren so um die 38 Grad und dem hatten unsere Reifen nichts entgegenzusetzen: gegen 14:30 Uhr waren beide einmal geplatzt und zwar so ungünstig, dass auch die Flicken nicht mehr hielten. Das bedeutete für uns beide Ersatzschläuche bereits opfern zu müssen. Der Tag zeichnete sich auch dadurch aus, dass unsere Vielfalt an Lebensmittel deutlich zurückgegangen war, sodass jeder von uns am Ende des Tages beinahe 1kg Reis (gewogen im rohen Zustand) gegessen hatte - zwei mal mit Soße und zum Nachtisch mit Milchpulver und Nutella. In Extremsituationen ist das ein unvorstellbarer Genuss!

Tag 12: Der Samstag hatte sich wohl zum Ziel gesetzt, uns einen dicken Stein in den Weg zu legen. Zu Beginn ging es nur bergauf, später kam dann ein kräftiger Gegenwind hinzu. Nach 38 km hatten wir endlich die Grenzen zum Northern Territory erreicht und mussten beide stark an uns halten, nicht die Schuhe in die Ecke zu schmeißen und den Rest zu trampen. Zum Mittag kamen wir in Kulgera Roadhouse an. Dort konnte uns der Rocker "Russell" leider nur noch mehr Gegenwind für die nächsten Tage ankündigen. Erst die zwei netten Berliner, die uns ein kühles Bier, unser erstes seit Wochen, spendierten, stimmten uns wieder versöhnlicher. Die Diagnose am Abend lautete zudem: "Du hast einen fetten Sonnenbrand im Gesicht" und "du auch!"

Tag 13: Da uns am Vortag die Haferflocken ausgegangen waren, gab es auch zum Frühstück wieder mal Milch(pulver)reis. Bis zur Mittagspause konnten wir unter fairen Bedingungen (mäßiger Wind und bewölkt) das Roadhouse Erldunda erreichen. Dort hätten wir die Möglichkeit gehabt für $6,95 500g Spaghetti zu kaufen - wir entschieden uns dagegen und gönnten uns lieber mal wieder eine Dusche. Später fragte mich dann ein Passant ob er ein Bild von unserem Rad machen dürfe und ob uns denn nichts weh täte. Als ich daraufhin meinen Hintern erwähnte, eröffnete er mir, er sei Priester und könne dafür beten. Gesagt, getan. Er nahm meine Hand und betete laut für das Wohlbefinden meines Gesäß und seine drei Begleiter standen andächtig schweigend rund herum. Diese Szene beeindruckte mich sehr und Andi und ich konnten unser Glück kaum fassen, als er uns beim Abschied noch 100 Dollar zusteckte, von denen wir uns Essen und Trinken kaufen sollten.

Nach 1080 Kilometern lässt sich folgendes feststellen: Australien hat vieles zu bieten, nicht unbedingt auf den ersten Blick, aber umso mehr, blickt man genauer hin. Gerade diese endlose Ödnis und Leere stärkt offensichtlich den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft untereinander.
Aber auch die folgenden Tage auf dem Weg zum Uluru (Ayers Rock) sollten noch allerhand freudiger Überraschungen für uns bereit halten...

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