Erlebnisberichte

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Die Tour

Hier berichten wir, was wir unterwegs so alles erleben und wie gut wir auf unserer Strecke vorwärts kommen. Alles andere erfahrt ihr auf unserer Webseite http://www.outbackcrosskiter.de

Aller Anfang ist schwer.

ErlebnisberichtePosted by Andi und Juli Mon, November 02, 2015 17:11

Nach knapp einer Woche und etwa 500 Kilometern Fahrerei haben wir nun den ersten Ort mit Internet, ja den ersten Ort überhaupt erreicht: Cooler Pedy - bekannt für seine Opalminen. Bis hierher war es bereits ein sehr "holpriger" Weg, gespickt mit jeder Menge Unwägbarkeiten und Rückschlägen, die es in der Wildnis erstmal zu lösen gab.

Tag 1: Aufgrund der unerwarteten Probleme, die es kurz vor Abfahrt noch zu lösen galt, kamen wir erst am späten Nachmittag gegen 17.00 Uhr los. Die Stimmung war gut und die Einheimischen haben uns einen wirklich rührenden Abschied bereitet. Als wir allerdings kurz vor Sonnenuntergang (ca.19.40 Uhr) unsere Kilometer gezählt haben standen leider erst 30 auf dem Papier.

Tag 2 und 3: Glücklicherweise stellten sich die "mörderischen Anstiege", die uns vorher von den locals prophezeit wurden, als gemäßigte Hügel heraus. Dennoch kamen wir mit unseren Unmengen Gepäck und dem fehlenden kleinsten Ritzel bergauf ganz ordentlich ins Schwitzen. Wir passierten unseren ersten Salzsee, ein beeindruckendes Phänomen, und trafen einen anderen Deutschen (Jesse) auf seinem Weg mit dem Rad vom Norden in den Süden. Wir schafften es bis nach Pimba, dem ersten Roadhouse auf unserer Strecke, wo wir unsere Vorräte auffüllen konnten. Dort trafen wir außerdem Frank "Bushman", der seinerzeit 4,5 Jahre mit dem Rad durch Australien gekurvt (hier eher "geradet") ist - eine bemerkenswerte Begegnung.

Tag 4: "Black Friday", der eigentlich ein Donnerstag war! Wir hatten bis zum Mittag etwa 60 km geschafft und Andi hat ein ziemliches Tief. Nachdem wir gekocht und gegessen hatten, machten wir uns wieder auf den Weg, um Glendambo (Roadhouse) zu erreichen. Allerdings konnten wir nach etwa 20m eine beeindruckende Acht im Hinterrad feststellen. nach kurzer Inspektion stand fest: wir haben fünf gebrochene Speichen. Das war das erste Mal, wo wir unsere Schnapsidee durch Australien zu radeln so richtig in Frage stellten - der bis dahin absolute Tiefpunkt! Als wir vergeblich versucht hatten, ein paar Roadtrains anzuhalten, die uns samt Fahrrad in die nächste Stadt hätten mitnehmen können, entschlossen wir uns dazu die letzten 25km mit dem Rad zu versuchen. Ein Glück hat das ganz gut geklappt.

Tag 5: Nachdem wir uns auf einem Schotterplatz über Nacht etwas ausgeruht hatten, gingen wir zur Tankstelle, um vielleicht einen der verweilenden Trucker zum Transport zu überreden. Währenddessen kam ein alter Pickup angefahren, ein Mann stieg aus und holte von der Ladefläche ein altes 20"-Rad herunter. Er gab mir zu verstehen, dass dieses ein Überbleibsel des letzen Autounfalles mit einem Fahrrad im Gepäck sei und wir es gerne haben könnten. Unglaublich, aber als dann auch noch der einzige Reisende, der vorbei kam, ein Fahrrad auf dem Dach und das nötige Shimano-Spezialwerkzeug im Gepäck hatte, war der Tag gerettet. Wir kauften ihm das Werkzeug ab und reparierten das Laufrad. So schafften wir es uns um 13.30 Uhr auf den Weg Richtung Coober Pedy (252km) zu begeben, der nächsten Möglichkeit unsere Vorräte aufzustocken. Beflügelt von dem Gefühl, etwas scheinbar Unmögliches geschafft zu haben, legten wir bis Sonnenuntergang noch beinahe 80km zurück. Das war das Abenteuer, wegen dem wir überhaupt losgezogen waren!

Tag 6: Den Vortag in den Knochen, entwickelte sich der Folgetag zu meinem körperlichen Tief. Vormittags schafften wir 40km, aber bereits um halb zwölf hatten die Temperaturen die 35°C-Marke geknackt und weit und breit war kein Baum oder Strauch zu sehen. Wir kochten unser Essen unter einem sogenannten Grid (Graben quer durch die Straße, mit Bahnschienen überbrückt; soll Tiere vor dem Passieren hindern), der Schatten ließ sich auch hier allerdings nur erahnen. Nachmittags machten wir uns bei Gegenwind wieder auf den Weg, aber nach weiteren 27km stand für mich fest: ich mache keinen Tritt mehr. Der erste Sonnenstich war spürbar und ich zog mit Andi auf der Liste der „Hängertage“ gleich. Zum Trost konnten wir am Horizont abends ein wunderschönes Naturschauspiel beobachten - die australischen Gewitter sind aus der Ferne wirklich wunderschön. Dazu kam der nächtliche Sternenhimmel, der nirgendwo schöner sichtbar ist, als im outback.


Tag 7: Die letzte Etappe bis Coober Pedy sollte sich als unsere bisherige Spitzenleistung herausstellen. Bei zunächst wolkigem Himmel schafften wir Vormittags 60km. Bis zum Mittag erreichten wir die einzige rest area weit und breit - bei knapp 38°C war das ein Segen. Dort ruhten wir uns ein paar Stunden aus und mit dem Bild vor Augen, wie wir mit unseren zurückgelassenen Damen telefonieren würden, eilten wir bis zum Sonnenuntergang auch noch die letzten 47km nach Coober Pedy. Hier fanden wir ein nettes Hostel, wo wir in unterirdischen Höhlen endlich mal wieder in einem richtigen Bett schlafen konnten; natürlich nicht ohne vorher das verdiente Telefonat zu führen!

Erstes Fazit: Das Outback ist leerer als man denkt; es gibt seltenst Handynetz, geschweige denn Internet. Die Planung und die Vorfreude sind eine Sache, mittendrin zu sein schon wieder eine ganz andere! Das Kiten gestaltet sich bisher deutlich schwieriger als angenommen - bisher stimmte die Windrichtung nie und der Verkehr ist noch zu dicht. Da wir mit unseren über 120 Kilogramm Material deutlich langsamer als gedacht voran kommen, ist eventuell die Strecke anzupassen; auch vor der dem Hintergrund, dass uns weiter nördlich bis zu 50°C erwarten.

Also abgehakt und unter „Aller Anfang ist schwer“ verbucht!

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