Erlebnisberichte

Das Beste kommt zum Schluss!Erlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Sat, November 28, 2015 17:17

Irgendwann in den letzten Monaten des Jahres 2013, als wir wieder einmal glücklich über die weitläufigen Strände Rømøs kiteten, packte uns urplötzlich die Lust ein Land auf diese Art und Weise zu durchqueren. Besser noch: einen ganzen Kontinent. Das Adrenalin, die Leistung, das Abenteuer - wir träumten uns einfach hinein.

Der ursprünglich als Hirnriss abgetane Gedanke blieb in unseren Hinterköpfen hartnäckig bestehen und manifestierte sich im Laufe des Jahres in Farbdrucken empirischer Wetterkarten des australischen Outbacks und den ersten Kontaktaufnahmen zu Ausrüstungshändlern und erfahreneren Abenteurern. Irgendwann war dann auch der Flug gebucht, das Fahrrad verpackt und die Sehnsucht nach dem Stichtag groß.

In der Hitze angekommen bestätigte sich allerdings einmal mehr, dass trotz hingebungsvoller Vorbereitung jeder einzelne Kilometer noch mühsam abgefahren werden muss und dass meteorologische Durchschnittswerte nicht mit der Wettervorhersage gleichzusetzen sind. Wir hatten unsere Abenteuergeschichte; die einzelnen Kapitel hingegen waren noch nicht geschrieben und sie zu erfinden erforderte allen Mut und alle Kraft, die wir aufbringen konnten.

Die ersten Tage schwammen wir noch etwas benommen und leicht orientierungslos durch die unbekannten Gewässer. In der zweiten Woche waren wir dann endlich „richtig angekommen“ und konnten uns den Herausforderungen widmen, die der ungewöhnlich heiße Frühsommer 2015 für uns bereit hielt. Dazu gehörte nicht zuletzt der für Australien sehr untypische Wind aus nordöstlicher Richtung. Dank der universell einsetzbaren Kites von Spleene waren wir dennoch in der Lage, die ein oder andere Böe zu unserem Vortrieb zu nutzen. Im Zentrum angekommen war uns dann endlich klar: hier sind wir richtig, so hatten wir uns das vorgestellt. Um den lohnenswerten Umweg über den Uluru zu kompensieren und unsere Flüge in Darwin noch rechtzeitig erwischen zu können entschieden wir uns dann für eine kleine Schummelei und bestiegen temporär einen Bus in Richtung Norden. Dort sollten uns allerdings die besten Tage unserer Reise quer durch down under erwarten.


Blog image

Tag 25:

Wir hatten den halben Tag in der klimatisierten Atmosphäre des Greyhoundbusses verbracht, der uns für wenig Geld und einige kurzweilige Gespräche mitsamt Fahrrad und Anhänger ein gutes Stück in Richtung Darwin mitnahm. So kamen wir dann leicht träge und etwas zu gemütlich in der Stadt Katherine an. Der Schritt aus dem Bus auf den heißen Asphalt glich dem Durchschreiten der Eingangstür zu einer Sauna. Durch die vielen schwelenden Buschbrände lag ein kontinuierlicher hölzerner Geruch in der Luft; gemischt mit der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit fragten wir uns beinahe, ob wir uns nicht langsam mal zwischen Minz- oder Fruchtaufguss entscheiden müssten. Um uns das Wellness-Gefühl noch etwas zu erhalten, fuhren wir schnurstracks zu den Katherine hot springs, so genannten natürlichen Thermalpools, deren Wassertemperatur allerdings eher kühlende Erfrischung verhieß. Lediglich die Krokodil-Warnschilder hielten uns ab vom Sprung in das verheißungsvolle Türkisgrün.

Also machten wir uns dann gegen Nachmittag doch noch auf in Richtung nördliches Ende. Die Landschaft hatte sich deutlich verändert. Ringsherum war alles voll mit Bäumen, großen wie kleinen, dicken wie dünnen. So eine Artenvielfalt hatten wir schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen. Dazwischen standen immer wieder Palmen und die Tropen fingen an uns sehr zu gefallen. Man konnte sie förmlich am eigenen Körper spüren, denn so viel Wasser wie zu dieser Zeit, hatten wir in unserem Leben vermutlich noch nicht verloren. Shirts und Hosen waren permanent nass geschwitzt. Nach der ersten 30 Kilometern, die wir voller Erstaunen bei so viel unbekannter Flora, zurückgelegt hatten, hielt ein Truck einige Meter vor uns an. Die zwei darin befindlichen Mechaniker musste ein guter Geist geschickt haben, denn sie hielten uns zwei gekühlte Biere aus dem Fenster. Das Wetter verlangte nahezu nach einer derartigen Erfrischung und das wussten auch die beiden Insassen, denn bevor sie losfuhren ergänzten sie unseren bescheidenen Vorrat an Genussmitteln um den selben Betrag. So zogen wir dem Sonnenuntergang entgegen, in Gedanken bereits bei einem leckeren Abendessen mit den übrigen zwei Bier (die anderen beiden waren bereits verdampft). Kurz bevor wir unser Lager aufschlagen wollten, kamen die beiden freundlichen Mechaniker erneut vorbei und erkundigten sich, ob wir noch ein paar gemeinsame Stubbies genießen wollten. Beim darauffolgenden gemütlichen Plausch leerten wir ihren gesamten gekühlten Vorrat und brachen auch die Handwerker-Reserve an, stilecht transportiert und sodann vernichtet auf der Ladefläche des Pickups. Dass wir dabei ganz vergaßen uns ein Abendessen zu bereiten, machte sich bei Einbruch der Dunkelheit dann in einem doch spürbaren Rausch bemerkbar. Als Erlebnis auf unserer Tour aber definitiv den leichten Kopfschmerz am nächsten Morgen wert!

Tag 26:

Die unerwartete Bekanntschaft des Vortages noch nicht vollends überwunden, begaben wir uns nach einem späten und halbherzigen Haferflocken-Frühstück am nächsten Morgen auf den Weg in Richtung Pine Creek. Gegen Mittag deutete sich bei Andi, der am Morgen noch deutlich fitter gewirkt hatte als ich, ein kleiner Sonnenstich an, sodass wir im Schatten einiger Baumhoher Termitenhügel Zuflucht suchten und uns eine ausgiebige Mittagsruhe gönnten. Trotz der imposanten Eindrücke, die die Natur um uns herum zu bieten hatte, konnten wir uns nicht dazu bewegen mehr als 85 Kilometer zurückzulegen. Die stickige Luft schränkt die Leistungsfähigkeit eben deutlich ein. Erschöpft beendeten wir den Tag auf einer tropischen Lichtung und schliefen alsbald bei entspannter Musik unter dem Sternenhimmel und auf unseren Schlafsäcken ein.


Blog image

Tag 27:

Bereits auf einem verschwitzten Nachtlager aufgewacht, wurde der Tag sehr schnell deutlich heißer. Der Körper hatte nicht einmal den Hauch einer Chance mit dem Herunterkühlen nachzukommen. In einem Roadhouse trafen wir ein britisches Ehepaar, begeisterte Radfahrer und Bewunderer unseres Gespanns, die uns mitteilen konnten, dass wir um 12.30 Uhr bereits die 41°C-Marke überschritten hatten. Die Luftfeuchtigkeit lag bei 95%; ein Wetter, dass ich so noch nicht gekannt hatte. Dazu war auch die Landschaft wieder sehr hügelig, sodass wir bei manchen Anstiegen an die äußersten Grenzen des Erträglichen stießen. Zu unserem Glück kamen wir gegen Ende an die bisher längste und steilste Abfahrt auf unserer Strecke und wir brachen geschwindigkeitstechnisch sämtliche bis dahin aufgestellten Rekorde. In dem Moment waren wir heilfroh, dass Chris (chrisbikes.de)dafür gesorgt hatte, dass wir auf unserer Tour insbesondere mit hohen Gängen versorgt waren. Dennoch musste ich mich am Ende des Tages kniebedingt geschlagen geben und wir suchten uns vorzeitig eine Stelle, an der wir unser Lager aufschlagen konnten. Dort wurden wir dann auch wieder einmal Zeuge eines unbeschreiblichen schönen australischen Gewitters. Glücklicherweise erreichten uns nur dessen Ausläufer, sodass wir abermals unter freiem Himmel campieren konnten. Ein Genuss, den ich vermissen werde!


Blog image

Tag 28:

Der Anbruch des voraussichtlich letzten kompletten Radtages war unbekümmert und fröhlich. Beide waren wir zu vielen Späßen aufgelegt und erreichten spielend den nächsten Ort Adelaide River. Das Leitungswasser, was wir dort auffüllten, sorgte zwar bei uns beiden für leichte Magenverstimmungen, aber davon ließen wir uns nicht beirren. Als wir nach ungefähr 35 Kilometern einen Fluss erreichte, hielten wir kurz an, um dieses lange vermisste Stück Natur photographisch festzuhalten. Dabei entdeckten wir zufällig einen kleinen Bach, der in einen klaren Tümpel hineinplätscherte und nach kurzem überlegen entschieden wir: „Dieses Wasser haben wir uns verdient!“ Ausgelassen und froh nach drei Tagen und Nächten voller Schweiß und feuchter Luft endlich wieder fließendes Wasser zur Verfügung zu haben, genossen wir dieses abgelegene Stückchen Paradies. Wir waren beide einer Meinung: hätten wir so etwas in unserer Heimatregion, wir würden jeden freien Tag dort verbringen. Selbst eine Liane hing über dem kleinen Becken und lud zu allerhand Kunststücken ein. Nach eineinhalb Stunden Toben im Wasser machten wir uns schweren Herzens wieder daran, dass Tagesziel zu erreichen. Aber allein dieser Moment entschädigte uns für so viele Blasen an den Füßen und Verspannungen in der Beinmuskulatur, dass die Tour einfach nur eine gute Idee gewesen sein konnte.

Nach knapp 60 Kilometern verkrochen wir uns dann keinen Moment zu früh in einen Abflusstunnel unter der Straße, denn über uns öffnete der Himmel seine Schleusen und wir wurden Zeugen eines unglaublich beeindruckenden Tropenregens. Allein der Geruch, der sich daraufhin ausbreitete war einmalig, ganz zu schweigen von der Geräuschkulisse aus dem prasselnden Regen und der dennoch hörbaren Fauna. Mit nassen Klamotten, aber mit dem wunderbaren Gefühl den tollsten Tag der Tour erlebt zu haben, fuhren wir noch bis kurz vor Sonnenuntergang und schlugen am Rande des Waldes ein letztes Mal unser Zelt auf.


Blog image

Tag 29:

Bis zur Zielort waren nur noch 45 Kilometer zurückzulegen, das machte sich leider auch an der Dichte des Verkehrs bemerkbar. Mit gut 115.000 Einwohnern ist Darwin die größte Stadt des Northern Territory und entsprechend groß ist der Strom der Menschen dorthin. Unser Plan so früh wie möglich und mit wenig Verkehr loszukommen wurde ad absurdum geführt, als wir um 4.30 Uhr bereits laute und kontinuierliche Motorengeräusche auf dem Highway ausmachen konnten. Also nahmen wir uns die Zeit unser Rad mit unserem in Alice Springs gewonnenen Weihnachtsschmuck zu dekorieren und starteten wenn nicht als schnellstes, dann zumindest als feierlichstes Gefährt in den letzten Abschnitt bis zum Meer.

An einer am Highway gelegenen Mangofarm sammelten wir eine heruntergefallene Frucht auf, mit der Absicht diese zum Frühstück zu verspeisen. Das war die beste Idee, die wir an jenem Tag hatten, denn in meinem Leben hatte ich noch keine so fruchtige und leckere Mango gegessen. So etwas gibt es bei uns nicht zu kaufen!

Je näher wir der Stadt kamen, desto dichter wurde der Verkehr und desto mehr Spuren kamen hinzu. Auf dem ganzen weiten Weg von Port Augusta hatte ich nicht einmal so etwas wie Angst verspürt, aber als der dreispurige Highway sich dann ein einer Baustelle zu einer Fahrbahn verjüngte und Roadtrains wie Busse lediglich einen Meter von uns entfernt an uns vorbeirauschten, überkamen mich ernste Zweifel an unserem Tun. Man fühlt sich eben radelnderweise auf keiner Autoschnellstraße wohl und das, obwohl das Radfahren auf dem Stuart Highway ausdrücklich erlaubt ist. Zu allem Überfluss konnten wir an diesem Tag noch einmal vier! Platte Reifen verzeichnen. Selbst unser wunderbarer „hinterher“, der bislang jeder Belastung tapfer stand gehalten hatte, musste sich den vielen Drahtsplittern auf der Straße geschlagen geben. Für einen kurzen Moment war also auch bei unserem treuen Radhänger die Luft raus.

So waren wir dann doch sehr froh, als wir gegen 13 Uhr in Darwin ankamen und endlich das sehnlichst vermisste Meer wiedersahen.


Blog image

Der Rückblick geschieht bei uns beiden mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits ist der Ausblick auf eine regelmäßige Dusche und ein Eis dann und wann ein wunderbarer. Andererseits haben Andi und ich fünf Wochen voller unerwarteter Ereignisse, voller Zufälle und angenehmer Bekanntschaften, voller unvergesslicher Erlebnisse hinter uns - unser ganz eigenes Abenteuer! Die Tour hat uns unglaublich Spaß bereitet und ich für meinen Teil kann feststellen, dass ich etwas verpasst hätte, wenn wir wir dazu nicht verrückt genug gewesen wären. Auch wenn wir die ursprünglich geplante Strecke umgelegt und um einige Kilometer gekürzt haben (2350km statt 2800km), können wir dennoch stolz auf unsere Leistung sein und sagen: wir haben es geschafft!

Noch am Nachmittag unserer Ankunft haben wir uns daran gemacht, das Rad zu demontieren und haben bis spät in die Nacht Pakete der kleinstmöglichen Größe geschnürt, mit der Absicht, diese heute bei der Post aufzugeben. Nach einigem hin und her, waren wir in der Lage alle drei Pakete loszuwerden und hoffen, dass nichts schief geht auf dem 3-monatigen Trip bei Seefracht zurück nach Deutschland. Aber wie der Australier zu sagen pflegt: „No worries, mate! Too easy!“

Wir werden derweil noch ein bisschen die sommerliche Hitze Australiens genießen und uns einige Sehenswerte Flecken näher anschauen. Diesmal allerdings lieber zu Fuß oder in einem 4WD.

Unser besonderer Dank gilt all denen, die unsere Tour unterstützt haben, ideell wie materiell! Ohne die vielen helfenden Hände, die motivierenden Worte, die Sportgeräte sowie die Kleidung und Ausrüstung, ohne die großzügigen Spenden und ohne Tipps und Hinweise wäre die Umsetzung unseres Plans schier unmöglich gewesen. Dafür danken wir allen ganz besonders!

Und sobald Andi und ich die Unmengen an Videomaterial gesichtet und sortiert haben, werdet ihr die Tour auch als Film zu Gesicht bekommen. Die Neuigkeiten veröffentlichen wir dann auf unserer Webseite.


zu den Bildern



Neuordnen in Alice SpringsErlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Mon, November 23, 2015 14:07

In den drei Tagen, die wir in Alice Springs verbracht haben, gab es für uns so einiges zu erledigen. Zunächst informierten wir uns über die Wetterverhältnisse in Darwin und Umgebung. Da die Vorhersagen sowohl bei den Onlinediensten, als auch bei weiteren Gesprächen mit den Einheimischen von monsunartigem Regen bis hin zu totaler Dürre alles abdeckten, entschieden wir uns dafür, unser Glück im tropischen Norden zu versuchen. Arbeitsteilig kümmerten wir uns um alle anstehenden Erledigungen und Aufgaben.

Während Andi die vorhandenen Transportmöglichkeiten abklapperte, versuchte ich eine Reparatur am Laptop durchführen zu lassen. Beides ließ sich mit dem entsprechenden Zeitaufwand zu unserer Zufriedenheit klären. Am Ende hatten wir wieder die Möglichkeit, Bilder von unserer Tour online zu stellen und zudem eine Busfahrt samt Radtransport in Richtung Darwin gebucht. So sind wir in der Lage, die Zeit, die uns die Schleife über den Uluru gekostet hat, wieder herauszuholen und hoffentlich unseren Flieger in Darwin rechtzeitig zu erreichen.

Zufrieden trafen wir uns abends dann mit Claudia und Werner, unseren deutschen Kontakten in Alice Springs, und erfuhren bei einem kurzweiligen Gespräch allerhand Interessantes und Nützliches über die Australier und ihre Lebensweise.

Den nächsten Tag verbrachten wir damit, den Kontakt in die Heimat zu pflegen, den hosteleigenen Pool zu testen und Ersatzteile für unser Rad zu organisieren. Dabei wurden wir sogar von Yvonne, der Besitzerin des Fahrradladens zu einem „staff-barbecue“ am Abend eingeladen. Wir sollten auch kleine Wichtel mitbringen, um am geplanten Spiel teilnehmen zu können. Voller Vorfreude begaben wir uns auf die Suche nach kleinen, lustigen Wichteln, darunter ein buntgefiederter Flamingo-Kugelschreiber und eine Neon-Knicklicht-Sonnenbrille und bereiteten uns auf das Grillen vor.

Als wir abends dann am Ort des Geschehens ankamen, wurden unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Wir sahen den ersten Outbackgarten, der uns wirklich gut gefiel. Darin befanden sich Palmen, eine Gartenlaube und ein aus Pool aus Naturstein, indem wir genüsslich unseren ersten Apfelcidre genossen. Später wurde dann gut gegessen und der Abend gekrönt mit der Wichtelrunde.

Die Minion-Figur, die Andi auspackte, wurde direkt zu unserer künftigen Galionsfigur ernannt. Eine Mitspielerin hatte jedoch einen solchen Gefallen an dem Männchen gefunden, dass sie sich gegen ein verpacktes und für dieses bereits geöffnete Geschenk entschied. Zum Trost blieb uns noch mein 70-teiliges Set Weihnachtsbaumschmuck. Damit werden wir dann unser Gespann für jeden unübersehbar und der feierlichen Stimmung angemessen schmücken und die Erinnerung an diesen wunderschönen Abend iaufrecht erhalten.

Blog image

Aus dem Hostel ausgeckeckt, nutzten wir unseren letzten Tag in Alice Springs um einen großen Berg an in der Heimat lange ersehnten Postkarten zu verfassen und loszuschicken. Wir ergänzten unsere Essensvorräte für den Rest der Strecke und erreichten um 19.15 Uhr rechtzeitig unseren Bus, der uns über Nacht unserem Ziel ein gutes Stück näher brachte.

Hier angekommen können wir bereits feststellen: die Hitze ist eine ganz andere. Die Luftfeuchtigkeit liegt deutlich höher, die Temperaturen sind ähnlich hoch wie in Alice Springs. Beides zusammen drückt ganz ordentlich auf den Kreislauf; wir werden sehen, wie sich das beim Radfahren auswirkt.


Hier gehts zum Video!



Ankunft in Alice SpringsErlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Fri, November 20, 2015 19:26

Tag 22: Am Dienstag starteten wir bereits früh in den Tag. Um 4.30 Uhr (Ortszeit Alice Springs) klingelte unser Wecker und wir bereiteten uns auf die anstehende Strecke bis Alice Springs vor. Nach unserer Rechnung würden wir in etwa zwei einhalb Tagen wieder in einer Kleinstadt sein, und die Motivation war entsprechend groß, so schnell wie möglich anzukommen. Der Gegenwind war wieder stetig und die Landschaft wurde hügeliger. Fragt man einen Autofahrer, so bekommt man stets die Antwort: "Alles flach, keine Berge." Aus Sicht eines Radfahrers lässt sich darüber hingegen trefflich streiten. Wir schafften bis zum Mittag etwa 55 Kilometer, bevor wir uns vor der Hitze in einen Wasserablauftunnel unter der Straße flüchteten. Entweder hatten wir beide einen ordentlichen Sonnenstich, oder aber wir waren einfach froh und glücklich, zu sein wo wir eben waren. Nachdem wir uns ausnahmsweise einmal Reis gekocht hatten, begannen wir uns die Mittagspause mit allerhand Klamauk zu vertreiben. Dazu gehörte unter anderem die Erkundung der heimischen Fauna: Andi entdeckte einige Nester der seltenen australischen Gubbeldi-Gubbeldi und versuchte unter Einsatz seines Lebens, welche vor die Kamera zu bekommen. Später, als wir uns wieder gefasst und auf den Weg begeben hatten, überholte uns eine Familie japanischer Touristen und tat seine Bewunderung kund, indem sie uns zuriefen: "Hey guyys, I seee youuu, sleeping under de treeee! Awesome, your so craaazyyy! Yeah, do what you waaaant!!" Mit gestärktem Selbstbewusstsein ritten wir in Richtung Sonnenuntergang, aber nicht bevor wir uns nicht von einem Schweizer von Sarah Marquis hatten berichten lassen, einer Frau, die unter anderem 18 Monate durch die Wüsten Australiens gewandert ist. Hut ab vor soviel Courage! Als eine Art Abendritual hatten wir dann noch eine weitere gebrochene Speiche auszutauschen, die bis dahin achte.

Tag 23: Da wir ungeschickterweise an einer truck rest area Halt gemacht hatten und dort die ganze Nacht über Motorengeräusche zu hören waren, waren wir morgens noch entsprechend müde. Zudem hatte sich der Schmerz in meinem Knie im Laufe der letzten beiden Tage verfestigt und hinderte mich an der vollen Mitarbeit beim Vorwärtskommen. So musste Andi die Hauptarbeit verrichten, während ich mehr die Rolle als Fahrgast übernahm. Als i-Tüpfelchen sollten sich die Temperaturen im Laufe des Tages dann auch noch auf 43°C hochschrauben und so kämpften wir, dass wir bis zum Nachmittag einen Wassertank mit Unterstand erreichten und mussten uns erstmal erschöpft ein paar Stunden dem Müßiggang hingeben. Kurz bevor wir uns wieder aufraffen konnten, traf dann Stephan, ein Schweizer Triathlet, mit seinem Rennrad ein. Er war auf einer ähnlichen Strecke wie wir unterwegs und mit einer ordentlichen Portion mehr Schwung. Das drückte natürlich zunächst auf unser Gemüt, als er aber gestand, dass er von Hotel zu Hotel reiste und sich anstatt dem Leben in der Wildnis der schnellstmöglichen Querung verschrieben hatte, sahen wir ein, dass wir in unterschiedlichen Disziplinen unterwegs waren. Abends schliefen wir ein letztes Mal unter freiem Himmel, nicht zuletzt, weil wir auf dem harten Untergrund nicht einen Hering in den Boden zu klopfen in der Lage waren. Am Horizont waren bereits die Lichter der Stadt zu sehen und wir waren froh, dass alles so war, wie es war.

Tag 24: Wir hatten uns erlaubt, ausnahmsweise mit dem ersten Licht des Tages aufzustehen und nicht mit dem Weckton des Handys. Unsere Einkäufe waren wieder einmal nahezu perfekt kalkuliert, zu Frühstück gab es die letzten Reste vom Reis, den wir am Vorabend noch vorgekocht hatten. Mit folglich leichtem Gepäck ernteten wir die Früchte der bis dahin erarbeiteten Höhenmeter in einer langen und angenehmen Abfahrt in das vergleichsweise tief gelegene Tal um Alice Springs. Etwas erstaunt rollten wir die letzten 10 Kilometer in die Stadt - soviel Verkehr und so viele Bäume hatten wir schon lange nicht mehr gesehen und wir zur gleichen Zeit erfreut und befremdet, von soviel Lärm und Bewegung umgeben zu sein. Diesmal waren wir in der Lage zunächst unsere Habseligkeiten in einem Hostel unterzubringen, bevor wir den Lange ersehnten Gang zu Coles (riesiger Supermarkt) unternahmen, wo wir uns jeder einen halben Hahn und einen herrlich kühlen Fruchtsaft gönnten.


Blog image

Unter dem Einfluss einer Hitzewelle (bis zu 45°C) über der Stadt gilt es nun zu entscheiden, wie die Tour weiter gehen soll. Dazu werden wir in den kommenden Tagen Informationen und Angebote einholen und die Entwicklung unserer körperlichen Verfassung beobachten. Aber fest steht für uns beide bereits jetzt: Ist man erstmal im Abenteuer angekommen, lässt es einen kaum noch los. Das Ziel ist in Alice Springs noch nicht erreicht!


zur Bildergalerie


Ins rote Herz AustraliensErlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Mon, November 16, 2015 18:43

Tag 13 (2): Nachdem wir uns gestärkt und guter Dinge am späten Nachmittag in Erldunda wieder auf den Weg machten, stand für uns die erste Abzweigung nach einer schier endlosen Zeit auf dem Programm. Vom Stuart Highway bogen wir nach links ab auf den Lasseter Highway, der uns geradewegs zum Uluru führen sollte. So eine Richtungsänderung kann schon mal Wunder bewirken. Trotz der harten Stunden, die wir morgens auf dem Rad verbracht hatten, konnten wir noch zügig 34 Kilometer zurücklegen und beendeten den Tag dennoch früh genug, um unser erstes Feuer im Outback zu machen. Es war zwar definitiv zu warm dafür, aber es war eine spaßige Angelegenheit und so ließen wir den Abend entspannt ausklingen. Nachdem wir uns mit Reis und Honey-Mustard-Soße vollgestopft hatten, schliefen auch ziemlich bald ein.

Tag 14: Auch am nächsten Morgen waren Andi und ich noch ziemlich erschöpft, sodass wir uns die ersten 23 km bis zum nächsten Roadhouse quälten und uns dort, mit einem leicht schlechten Gewissen, jeder einen Apfel für 2 Dollar erlaubten. Bei der Weiterfahrt hatten wir dann Probleme mit dem hinteren Sitz. Wir entschlossen uns dazu, dessen Position ganz zu verändern und siehe da: in der Folge wurden auch die Schmerzen im Hintern erträglicher. Wir waren uns sofort beide einig, dass das kein Zufall sein konnte. Beim Mittagessen unterhielten wir uns dann wieder darüber, wie wir jetzt am liebsten das Menü komplettieren würden. Ganz oben im Ranking standen zwei kühle Biere und ein Eis. Während wir noch kurz im Schatten dösten und uns auf die Weiterfahrt vorbereiteten, fuhr ein Wohnmobil vorbei, kam zurück und der Fahrer erklärte uns, er habe noch ein paar "ice blocks" übrig, ob wir die haben wollten. Ich wusste zwar nicht, was wir mit Eiswürfeln hätten anfangen sollen, aber wenn man in der Wüste etwas geschenkt bekommt, sagt man selten nein. Als er kurz darauf mit vier Milcheis in der Hand erschien, konnten wir unser Glück kaum fassen. An der Böschung sitzend und die Eis verdrückend kamen wir überein: seit Erldunda steht unsere Tour unter einem anderen Stern! Den Rest des Tages fuhr es sich folgerichtig auch so simpel wie selten und am Abend entdeckten wir eine wunderschöne, rote Sanddüne, auf der wir unser Lager aufschlugen. Mit einem direkt angrenzenden ausgetrockneten See und dem Mount Conner im Hintergrund war das ein einmaliges Panorama!

Blog image

Tag 15: Die Morgenstunden wurden begleitet von einem unglaublich roten Sonnenaufgang. Nachdem wir uns endlich auf den Weg begeben hatten, wurden wir auch alsbald schon angesprochen von ein paar vorbeifahrenden Jugendlichen. Die Überraschung war recht groß, als es von der Seite auf einmal hieß: "Seid ihr aus Fulda?" Wir unterhielten uns eine Weile und es klärte sich bald auf, dass die Verwandten in der Heimat über die Lokalpresse von uns erfahren hatten und den abenteuerlichen Nachwuchs darauf angesetzt hatte, nach uns Ausschau zu halten. Als wir bald darauf im Roadhouse Curtin Springs ankamen, machten wir wohl einen so bemitleidenswerten Eindruck, dass uns zwei deutsche Touristen tatsächlich ein soeben erworbenes kühles Bier anboten. Wir nahmen dankend an und freuten uns über unser unverschämtes Glück. Gegen Abend mussten wir allerdings feststellen, dass wir sämtliche Vorräte aufgebraucht hatten und es Zeit wurde, dass wir wieder einkaufen konnten.

Tag 16: Unser erklärtes Ziel für diesen Tag war es, so schnell wie möglich Yulara zu erreichen. Nachdem wir die letzten Vorräte aufgebraucht hatten und jeder mit einer halben Schale Müsli und einer Hand voll Rosinen reichlich hungrig aufs Rad stieg, war die Motivation dafür besonders hoch. Wir demmelten was das Zeug hielt und malten uns in der Zwischenzeit bereits aus, was wir uns bei unserer Ankunft im Ayers Rock Resort alles kaufen wollten. Als wir dann so gegen halb elf endlich auftrafen und sogleich den Weg zum Supermarkt einschlugen, reichte unsere Phantasie gerade noch so für Weißbrot mit Aufstrich, Obst, einer Limonade und ein Glas Nutella (original) mit Rosinenbrot - und das war in diesem Moment alles, was wir uns erträumt hatten. Im Schatten der Arkaden genossen wir das herrliche Festmahl und waren rundum zufrieden mit der Tour und uns selbst. Gestärkt und guter Dinge machten wir uns im Anschluss auf den Weg zum örtlichen 'campground', wo wir uns für die nächsten Tage einbuchten. Durchs Internet mit der Heimat endlich wieder verbunden, beschränkten wir uns den Rest des Tages darauf nach Hause zu telefonieren, noch einmal einkaufen zu gehen und zu versuchen, den unterwegs eingeknickten Computer wieder in Gang zu bringen, letzteres leider ohne Erfolg. Zur Feier des Tages gab es Burger und eine Nacht auf richtigem Gras (kein Spinifex) unter dem imposanten Sternenhimmel.

Tag 17: Auf unserem Plan stand der Besuch des Uluru (Ayers Rock). Nach einem ausgiebigen Frühstück (wie immer Müsli, aber mit frischem Obst), machten wir uns mit dem Rad auf den Weg die letzten 20 Kilometer bis zur roten Mitte Australiens zurück zu legen. Jeder von uns zahlte $25 Eintritt, doch die lohnten sich in jedem Fall. Bereits von weitem ragt der gewaltige Monolith mitten in der flachen Landschaft empor. Kommt man näher heran, so wird einem zum ersten Mal klar, dass das kein vewöhnlicher Berg ist, sondern ein einziger Stein. Wir entschieden uns dafür, die Umrundung mit dem Fahrrad zu machen und wollten unterwegs ein bisschen Kiten und Aufnahmen machen. Als wir eine geeignete Stelle gefunden hatten und alles aufgebaut hatten, stellte sich sogar ein brauchbares Lüftchen ein, mit dem wir die ersten Meter zurücklegen konnten. Kurz darauf kam uns allerdings ein Auto entgegen, hupenderweise und mit Warnblinklicht. Die darin befindlichen Ranger der Nationalpark machten uns schnell darauf aufmerksam, dass das, was wir da machten, überhaupt nicht gehe und wir, wenn wir nicht sofort einpacken würden, in "big troubles" gerieten. Also vollendeten wir unsere Umrundung ohne Windkraft, froh keine schlimmeren Bestrafungen davongetragen zu haben. Die Temperaturen näherten sich gegen Mittag so langsam den hohen Dreißigern und wir kochten uns unsere Nudeln neben dem örtlichen Museum. Nachdem wir uns ein wenig über die Geschichte der Ureinwohner Australiens informiert hatten, fuhren wir wieder zurück ins Resort. Dort stand neben einem ausgiebigen Einkauf und dem Abendessen, bestehend aus Bratwürstchen mit Kräuterbaguette und Salat (man muss eben seine Chancen nutzen), noch ein Interview mit dem Radiosender YouFM an (Sendung vom 14.11.15, 13-17Uhr).

Blog image

Tag 18: Diesen Tag hatten wir ursprünglich reserviert um das 55 Kilometer Kata-Tjuta-Felsgebilde zu besichtigen, das ließen wir jedoch ausfallen, da die Wanderwege aufgrund der extremen Temperaturen bereits ab 11 Uhr morgens gesperrt wurden. Stattdessen gönnten wir uns einen Ruhetag, an dem wir das Material pflegten, besonders aber unsere doch deutlich gezeichneten Körper. Höhepunkt war sicherlich das kühle Bier, dass wir uns am frühen Nachmittag genehmigten und von dem wir schon so lange geträumt hatten.

Tag 19: Am frühen Morgen um 5.00 Uhr klingelte der Wecker und wir packten unsere Sachen, um mit den ersten Sonnenstrahlen auf der Straße zu sein. Schon bald merkten wir, dass der Höhenflug ein Ende haben würde. Der leichte Rückenwind vom Hinweg bließ uns nun natürlich ins Gesicht. Zudem hatten unsere Beine anscheinend festgestellt, dass sie die Regeneration gerne noch etwas länger genossen hätten. Der Dampf war weg, die Laune auf Sparmodus und der Weg wieder lang. Wir quälten uns durch den Tag und waren froh am Ende wenigstens 83 Kilometer geschafft zu haben. Und weiter hätten uns unsere Beine nicht bringen können. Beide wünschten wir uns irendwie zurück in die Nähe dieses wunderbaren Supermarktes, in dem wir am Vorabend noch so (verhältnismäßig) günstig für die kommende Woche eingekauft hatten. Aber andererseits verhieß der Weg nach vorne ein deutlich verlockenderes Ziel - als vorläufiges Ende stand Alice Springs im Raum. Bei unseren Recherchen in den Tagen zuvor und bei Gesprächen mit den locals hatten wir rausgefunden, dass die Regenzeit im Norden bereits begonnen hatte (normalerweise erst ab Anfang Dezember). Die ersten Straßen seien bereits überflutet und unpassierbar. Andi und ich kamen so zu dem Schluss, dass wir zunächst nach Alice Springs fahren wollten, um dort die Lage mit aktuelleren Informationen erneut beurteilen zu können. Also Reis gekocht und ab ins Bett!

Tag 20: Bereits kurz nach dem Losfahren stand fest, selbst der Vortag war besser. Nach 10 Kilometern versuchten wir ein wenig zu Kiten und waren froh, als sich ein paar Reisende bereit erklärten, uns dabei zu filmen. Doch der Wind wurde unglaublich bockig und nach einigen Metern hob es mich beherzt aus dem Rad und selbiges fuhr mir zu allem Überfluss noch von hinten in die Haxen. Ich tröstete mich zunächst mit dem Gedanken, dass wir wenigstens alles videographisch festgehalten hatten, das wiederum stellte sich bald als Irrtum heraus, da die Kamerafrau wohl eher begeistert war von dem Drachen in der Luft, sowie der Stereoanlage in ihrem Auto. Schlecht gelaunt und leicht angeschlagen strampelten wir noch 30 Kilometer bis zur Mittagspause und wünschten uns beide, wir hätten noch einen Begleiter mitgenommen auf unsere Tour. Ein geplatzter Mantel und zwei weitere gebrochene Speichen machten die Misere perfekt und so half uns beim bereiten des Nachtlagers nurnoch der schwarze Humor, um nicht zu resignieren.

Blog image

Tag 21: Aufgrund des Tiefs vom Vortag konnte der anbrechende nur besser werden und so sollte es auch sein. Mit dem Gedanken vor Augen am Ende des Tages die Abzweigung richtung Alice Springs zu erreichen, holten wir alles aus uns heraus und trotzten der heißen Luft und der prallen Sonne. Als uns dann noch zwei Franken unterwegs begegneten, mit denen wir uns im Ayers Rock Resort angefreundet hatten, und für brauchbare Aufnahmen sorgten, waren wir wieder versöhnt und genossen sogar unserem Reis zum Mittag. Ohne Zwischenfälle erreichten wir am frühen Nachmittag das Roadhouse Erldunda und erlaubten uns, nachdem wir dafür auf dem Hinweg jeder $4 bezahlt hatten, uns selbstbewusst am Pförtner vorbei geradewegs zu den Duschen zu begeben. Ein herrliches Gefühl, gekrönt mit einem wohlverdienten Eis, bezahlt mit dem eben clever gesparten Geld. Andi kam beim Schlemmen mit einem local ins Gespräch der laut eigener Aussage gerade seinen Bruder abgeholt hatte, welcher versucht hatte, Australien zu Fuß zu durchqueren. Er gab uns zum Abschied noch ein Kühlpack, welches man sich zum Schutz vor einem Sonnenstich in den Nacken legen kann. In Anbetracht der angekündigten herannahenden 45 Grad vielleicht garnicht so verkehrt!

Froh wieder auf unserem altbekannten Highway zu sein, mit der Sonne im Gesicht und ausreichend Proviant im Gepäck, machen wir uns nun auf den Weg die letzten 200 Kilometer bis nach Alice Springs zurückzulegen. Mit Andis Worten: "Endspurt!"







Zu zweit gegen den WindErlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Wed, November 11, 2015 20:57

Dass bei all den Strapazen die Gemüter einer ganz ordentlichen Belastungsprobe unterzogen werden, ist durchaus nachvollziehbar. So kam es dann auch kurz vor Abfahrt um 5:00 Uhr morgens in Coober Pedy zu einer ordentlichen Auseinandersetzung zwischen Andi und mir. Es war allerdings ein reinigendes Gewitter, ganz ähnlich dem Spektakel, welches wir in unserer letzten Nacht unter der Erde miterleben durften, denn abends haben wir uns wieder versöhnt und gingen als Team gestärkt hervor. Und es sollte sich herausstellen, dass wir diese Gemeinschaft noch bitter nötig haben würden.

Tag 8: Das Gewitter der Nacht war noch spürbar, die Luft sehr dick und der Himmel wolkenverhangen. Als wir um kurz nach 6:00 Uhr aufbrachen, kündigte sich bereits der nächste Regen an. Mit Regenjacken und -hosen konnten wir allerdings den aufkommenden Wind zum ersten Mal in Vortrieb umwandeln und dem Namen unseres Projekts gerecht werden. Ein wirklich erleichternder Moment!

Tag 9: Mit dem guten Gefühl vom Vortag ließ es sich vortrefflich einschlafen, leider etwas zu lang. Als wir dann gegen 7:45 Uhr endlich auf der Strecke waren, hatten sich die Querwinde vom Vortag bereits in einen konstanten Gegenwind mit teils heftigen Böen verwandelt. Bereits zur Mittagspause waren wir beide ziemlich erschöpft und frustriert. Auch der Roadtrain, der uns mit einem kompletten Haus beladen unterwegs überholte, konnte da kaum für Erheiterung sorgen. Erst als wir gegen Abend von einem Truck überholt wurden und dieser vor uns anhielt, sollte sich das Blatt wenden. Ein gut genährter, freundlicher Australier stieg aus, ging zur Ladefläche seines Pickup und holte zwei Flaschen aus einer Kühlbox. Er gab sie uns und fragte uns, wann wir zwei zuletzt ein kühles Getränk gehabt hätten. Der Energydrink und vorallem diese unerwartete Herzlichkeit des Mannes sorgten dafür, dass wir die folgenden 30km förmlich flogen, allen Winden zum Trotz.

Tag 10: Der Tag begann relativ mild, der Wind war erträglich und der Himmel meist bewölkt. Bis zum Mittag hatten wir bereits 68km erledigt und Marla, ein Roadhouse mit unserer ersten "Grünanlage" im Outback, erreicht. Hier konnten wir wieder ein paar Vorräte auffüllen, duschen und gönnten uns zur Belohnung mal ein Eis (für 5$ das Stück). Bei dessen Verzehr wurden wir sogleich Zeuge, wie ein altersschwacher Baum seinen größten Ast (ca. 10m lang) nach einer Ureinwohnerin Australiens schmiss und um Haaresbreite verfehlte - was für ein Glück! Am Abend wurde ich dann Zeuge, wie ein Meteorit in der Armosphäre explodierte und verglühte: ein einmaliges Erlebnis, dass ich so schnell nicht vergessen werde!

Tag 11: Obwohl wir morgens bereits ziemlich früh unterwegs waren, entwickelte sich der Tag schnell zu einem der heißesten bisher. Es waren so um die 38 Grad und dem hatten unsere Reifen nichts entgegenzusetzen: gegen 14:30 Uhr waren beide einmal geplatzt und zwar so ungünstig, dass auch die Flicken nicht mehr hielten. Das bedeutete für uns beide Ersatzschläuche bereits opfern zu müssen. Der Tag zeichnete sich auch dadurch aus, dass unsere Vielfalt an Lebensmittel deutlich zurückgegangen war, sodass jeder von uns am Ende des Tages beinahe 1kg Reis (gewogen im rohen Zustand) gegessen hatte - zwei mal mit Soße und zum Nachtisch mit Milchpulver und Nutella. In Extremsituationen ist das ein unvorstellbarer Genuss!

Tag 12: Der Samstag hatte sich wohl zum Ziel gesetzt, uns einen dicken Stein in den Weg zu legen. Zu Beginn ging es nur bergauf, später kam dann ein kräftiger Gegenwind hinzu. Nach 38 km hatten wir endlich die Grenzen zum Northern Territory erreicht und mussten beide stark an uns halten, nicht die Schuhe in die Ecke zu schmeißen und den Rest zu trampen. Zum Mittag kamen wir in Kulgera Roadhouse an. Dort konnte uns der Rocker "Russell" leider nur noch mehr Gegenwind für die nächsten Tage ankündigen. Erst die zwei netten Berliner, die uns ein kühles Bier, unser erstes seit Wochen, spendierten, stimmten uns wieder versöhnlicher. Die Diagnose am Abend lautete zudem: "Du hast einen fetten Sonnenbrand im Gesicht" und "du auch!"

Tag 13: Da uns am Vortag die Haferflocken ausgegangen waren, gab es auch zum Frühstück wieder mal Milch(pulver)reis. Bis zur Mittagspause konnten wir unter fairen Bedingungen (mäßiger Wind und bewölkt) das Roadhouse Erldunda erreichen. Dort hätten wir die Möglichkeit gehabt für $6,95 500g Spaghetti zu kaufen - wir entschieden uns dagegen und gönnten uns lieber mal wieder eine Dusche. Später fragte mich dann ein Passant ob er ein Bild von unserem Rad machen dürfe und ob uns denn nichts weh täte. Als ich daraufhin meinen Hintern erwähnte, eröffnete er mir, er sei Priester und könne dafür beten. Gesagt, getan. Er nahm meine Hand und betete laut für das Wohlbefinden meines Gesäß und seine drei Begleiter standen andächtig schweigend rund herum. Diese Szene beeindruckte mich sehr und Andi und ich konnten unser Glück kaum fassen, als er uns beim Abschied noch 100 Dollar zusteckte, von denen wir uns Essen und Trinken kaufen sollten.

Nach 1080 Kilometern lässt sich folgendes feststellen: Australien hat vieles zu bieten, nicht unbedingt auf den ersten Blick, aber umso mehr, blickt man genauer hin. Gerade diese endlose Ödnis und Leere stärkt offensichtlich den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft untereinander.
Aber auch die folgenden Tage auf dem Weg zum Uluru (Ayers Rock) sollten noch allerhand freudiger Überraschungen für uns bereit halten...

zu den Bildern

Aller Anfang ist schwer.Erlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Mon, November 02, 2015 17:11

Nach knapp einer Woche und etwa 500 Kilometern Fahrerei haben wir nun den ersten Ort mit Internet, ja den ersten Ort überhaupt erreicht: Cooler Pedy - bekannt für seine Opalminen. Bis hierher war es bereits ein sehr "holpriger" Weg, gespickt mit jeder Menge Unwägbarkeiten und Rückschlägen, die es in der Wildnis erstmal zu lösen gab.

Tag 1: Aufgrund der unerwarteten Probleme, die es kurz vor Abfahrt noch zu lösen galt, kamen wir erst am späten Nachmittag gegen 17.00 Uhr los. Die Stimmung war gut und die Einheimischen haben uns einen wirklich rührenden Abschied bereitet. Als wir allerdings kurz vor Sonnenuntergang (ca.19.40 Uhr) unsere Kilometer gezählt haben standen leider erst 30 auf dem Papier.

Blog image

Tag 2 und 3: Glücklicherweise stellten sich die "mörderischen Anstiege", die uns vorher von den locals prophezeit wurden, als gemäßigte Hügel heraus. Dennoch kamen wir mit unseren Unmengen Gepäck und dem fehlenden kleinsten Ritzel bergauf ganz ordentlich ins Schwitzen. Wir passierten unseren ersten Salzsee, ein beeindruckendes Phänomen, und trafen einen anderen Deutschen (Jesse) auf seinem Weg mit dem Rad vom Norden in den Süden. Wir schafften es bis nach Pimba, dem ersten Roadhouse auf unserer Strecke, wo wir unsere Vorräte auffüllen konnten. Dort trafen wir außerdem Frank "Bushman", der seinerzeit 4,5 Jahre mit dem Rad durch Australien gekurvt (hier eher "geradet") ist - eine bemerkenswerte Begegnung.

Tag 4: "Black Friday", der eigentlich ein Donnerstag war! Wir hatten bis zum Mittag etwa 60 km geschafft und Andi hat ein ziemliches Tief. Nachdem wir gekocht und gegessen hatten, machten wir uns wieder auf den Weg, um Glendambo (Roadhouse) zu erreichen. Allerdings konnten wir nach etwa 20m eine beeindruckende Acht im Hinterrad feststellen. nach kurzer Inspektion stand fest: wir haben fünf gebrochene Speichen. Das war das erste Mal, wo wir unsere Schnapsidee durch Australien zu radeln so richtig in Frage stellten - der bis dahin absolute Tiefpunkt! Als wir vergeblich versucht hatten, ein paar Roadtrains anzuhalten, die uns samt Fahrrad in die nächste Stadt hätten mitnehmen können, entschlossen wir uns dazu die letzten 25km mit dem Rad zu versuchen. Ein Glück hat das ganz gut geklappt.

Blog image

Tag 5: Nachdem wir uns auf einem Schotterplatz über Nacht etwas ausgeruht hatten, gingen wir zur Tankstelle, um vielleicht einen der verweilenden Trucker zum Transport zu überreden. Währenddessen kam ein alter Pickup angefahren, ein Mann stieg aus und holte von der Ladefläche ein altes 20"-Rad herunter. Er gab mir zu verstehen, dass dieses ein Überbleibsel des letzen Autounfalles mit einem Fahrrad im Gepäck sei und wir es gerne haben könnten. Unglaublich, aber als dann auch noch der einzige Reisende, der vorbei kam, ein Fahrrad auf dem Dach und das nötige Shimano-Spezialwerkzeug im Gepäck hatte, war der Tag gerettet. Wir kauften ihm das Werkzeug ab und reparierten das Laufrad. So schafften wir es uns um 13.30 Uhr auf den Weg Richtung Coober Pedy (252km) zu begeben, der nächsten Möglichkeit unsere Vorräte aufzustocken. Beflügelt von dem Gefühl, etwas scheinbar Unmögliches geschafft zu haben, legten wir bis Sonnenuntergang noch beinahe 80km zurück. Das war das Abenteuer, wegen dem wir überhaupt losgezogen waren!

Tag 6: Den Vortag in den Knochen, entwickelte sich der Folgetag zu meinem körperlichen Tief. Vormittags schafften wir 40km, aber bereits um halb zwölf hatten die Temperaturen die 35°C-Marke geknackt und weit und breit war kein Baum oder Strauch zu sehen. Wir kochten unser Essen unter einem sogenannten Grid (Graben quer durch die Straße, mit Bahnschienen überbrückt; soll Tiere vor dem Passieren hindern), der Schatten ließ sich auch hier allerdings nur erahnen. Nachmittags machten wir uns bei Gegenwind wieder auf den Weg, aber nach weiteren 27km stand für mich fest: ich mache keinen Tritt mehr. Der erste Sonnenstich war spürbar und ich zog mit Andi auf der Liste der „Hängertage“ gleich. Zum Trost konnten wir am Horizont abends ein wunderschönes Naturschauspiel beobachten - die australischen Gewitter sind aus der Ferne wirklich wunderschön. Dazu kam der nächtliche Sternenhimmel, der nirgendwo schöner sichtbar ist, als im outback.


Tag 7: Die letzte Etappe bis Coober Pedy sollte sich als unsere bisherige Spitzenleistung herausstellen. Bei zunächst wolkigem Himmel schafften wir Vormittags 60km. Bis zum Mittag erreichten wir die einzige rest area weit und breit - bei knapp 38°C war das ein Segen. Dort ruhten wir uns ein paar Stunden aus und mit dem Bild vor Augen, wie wir mit unseren zurückgelassenen Damen telefonieren würden, eilten wir bis zum Sonnenuntergang auch noch die letzten 47km nach Coober Pedy. Hier fanden wir ein nettes Hostel, wo wir in unterirdischen Höhlen endlich mal wieder in einem richtigen Bett schlafen konnten; natürlich nicht ohne vorher das verdiente Telefonat zu führen!
Blog image

Erstes Fazit: Das Outback ist leerer als man denkt; es gibt seltenst Handynetz, geschweige denn Internet. Die Planung und die Vorfreude sind eine Sache, mittendrin zu sein schon wieder eine ganz andere! Das Kiten gestaltet sich bisher deutlich schwieriger als angenommen - bisher stimmte die Windrichtung nie und der Verkehr ist noch zu dicht. Da wir mit unseren über 120 Kilogramm Material deutlich langsamer als gedacht voran kommen, ist eventuell die Strecke anzupassen; auch vor der dem Hintergrund, dass uns weiter nördlich bis zu 50°C erwarten.

Also abgehakt und unter „Aller Anfang ist schwer“ verbucht!

weitere Bilder





AbfahrtErlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Mon, October 26, 2015 15:54

Der Tag ist gekommen: Heute werden wir uns um ca. 16.30 Uhr Ortszeit auf den Weg machen in den Norden. Vor uns liegt gleich zu Beginn die höchste Bergkette Australiens, die Flinders Ranges, die es zu überwinden gilt.

Gestern und heute haben wir damit zugebracht, das Fahrrad startklar zu machen. Leider hat die Kettenführungskonzeption des Herstellers nicht einmal die erste Testfahrt überstanden. Also mussten wir vor Ort mit wenig Werkzeug und viel Hoffnung eine Alternative schaffen. Das ist uns nach bisherigem Stand auch gut gelungen, muss aber noch über längere Fahrt bestätigt werden.

Der Anhänger ist ziemlich voll und wir haben so unsere Bedenken, dass das alles problemlos zugehen wird, aber auch das wird sich noch herausstellen. Wasser ist allerdings genügend drauf und auch das Essen reicht für die nächsten Tage.

Wir sind sehr gespannt und freuen uns darauf, dass es endlich losgeht. Der nächste Bericht wird dann vermutlich folgen, sobald wir wieder in der Zivilisation aufschlagen.

Bis dahin, Andi und Juli
Blog image

Gut gelandetErlebnisberichte

Posted by Andi und Juli Fri, October 23, 2015 16:03

Der Sprung ist geschafft! Gestern Abend um 21.42 Uhr Ortszeit sind wir erfolgreich und sicher in Adelaide gelandet. Komplikationen gab es beim Flug keine, lediglich unser Übergepäck mussten wir am Frankfurter Flughafen für einen stolzen Preis einkaufen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Dubai, während dem wir uns auf dem Flughafengelände beinahe verlaufen haben, sind wir dann die restlichen 12 Stunden nach Adelaide geflogen. Dabei haben wir einen Sonnenauf- und Sonnenuntergang erster Klasse erlebt.

Unser Hostel haben wir gegen 23 Uhr erreicht, jeder mit ungefähr 40 bis 50 Kilo Gepäck und die letzten 400 Meter zu Fuß. Eine Tortur, nach der wir dennoch nicht schlafen konnten. Zu allem Überdruss hat unser Mitbewohner später ein solches Schnarchkonzert veranstaltet, dass die erste Nacht keine Erholung gebracht hat.

Heute haben wir uns mit der nötigen Ausrüstung eingedeckt, darunter zwei Schlafsäcke, ein Kocher, ein 20L-Wasserkanister und ein Beil. Damit geht es dann morgen mit dem Bus Richtung Port Augusta, wo unsere Tour starten soll.

Und jetzt gibt erst mal essen, diesmal selbst gekocht!Blog image